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Bauarbeiter bei einer Kernbohrung an einer Betonwand

Was kostet eine Kernbohrung?

Lesedauer 5 Minuten

Bild: bannafarsai / stock.adobe.com

Eine Kernbohrung kostet je nach Durchmesser und Wandmaterial 100 bis 500 €. Der häufigste Fall, ein Durchbruch für die Dunstabzugshaube mit 100 bis 125 mm Durchmesser, liegt meist bei 150 bis 300 € inklusive Anfahrt. Bewehrter Beton ist teurer als Ziegelmauerwerk, große Durchmesser kosten mehr als kleine. Hier finden Sie alle Preise nach Durchmesser und Material, die typischen Anwendungen und wann ein Statiker nötig ist.

Ob Dunstabzugshaube, Schwedenofen oder Klimaanlage: Oft muss das Innere des Hauses über ein Loch in der Wand mit der Außenluft verbunden werden. Auch eine Verbindung zwischen Räumen kann nötig sein, etwa wenn ein Heizungskeller mit einer Pellet– oder Hackschnitzelheizung ausgestattet wird und das Lager im Nebenraum liegt.

Früher wurde die Kontur des Lochs mit vielen einzelnen Bohrlöchern umrissen und das Innere mit Hammer und Meißel herausgebrochen. Heute nutzt man diese Technik nur noch bei sehr großen Öffnungen wie einem kompletten Wanddurchbruch. Schneller, präziser und sauberer gelingt die Arbeit mit einer Kernbohrung, auch Kernlochbohrung genannt: Ein spezieller Kernbohrer schneidet ein rundes Stück aus der Wand, den sogenannten Bohrkern.

Preise nach Durchmesser und Untergrund

Für eine Kernbohrung durch eine normale Außenwand zahlen Sie je nach Durchmesser 80 bis 500 €. Der Preis richtet sich vor allem nach dem Durchmesser der Bohrkrone, dem Wandmaterial und der Wanddicke:

DurchmesserTypische AnwendungKosten pro Bohrung
50 bis 80 mmKabel, Abfluss, Kältemittelleitung80 bis 150 €
100 bis 125 mmDunstabzug, dezentrale Lüftung150 bis 300 €
150 bis 200 mmAbgasrohr, zentrale Lüftungsanlage250 bis 400 €
250 bis 350 mmKanalanschluss, Leitungsbündel350 bis 500 €

Die Werte gelten für Wanddicken von 24 bis 36,5 cm und enthalten Anfahrt sowie die Entsorgung des Bohrkerns. Ungünstige Arbeitsumstände wie das Bohren über Kopf erhöhen den Preis. Bei mehreren Bohrungen an einem Termin sinken die Kosten pro Loch deutlich, weil Anfahrt und Baustelleneinrichtung nur einmal anfallen.

Typische Anwendungen und ihre Preise

Die meisten Kernbohrungen im Privathaus entfallen auf vier Anwendungsfälle:

  • Dunstabzugshaube: Der Mauerkasten braucht eine Bohrung mit 100 bis 125 mm Durchmesser durch die Außenwand, Kostenpunkt 150 bis 300 €.
  • Klimaanlage mit Splitgerät: Für Kältemittelleitungen, Kondensatablauf und Steuerkabel reicht meist eine Bohrung mit 50 bis 70 mm, je nach Gerätestandort auch zwei. Rechnen Sie mit 100 bis 200 € pro Bohrung.
  • Lüftungsanlage: Dezentrale Lüfter benötigen je Raum eine Bohrung mit 160 bis 200 mm für den Wandeinbau, zentrale Anlagen einzelne große Durchführungen. Pro Bohrung fallen 250 bis 400 € an.
  • Abwasserleitung: Für neue Sanitärobjekte im Keller oder Anbau sind Bohrungen mit 100 bis 150 mm üblich, oft durch Bodenplatte oder Betondecke. Hier liegen die Kosten bei 150 bis 350 €.

Beton oder Mauerwerk: der Einfluss des Materials

Bewehrter Beton ist das teuerste Material für eine Kernbohrung, weil die Diamantbohrkrone dort Stahl durchtrennen muss und langsamer vorankommt. Ziegelmauerwerk und Leichtbeton lassen sich schneller bohren. Als Orientierung dienen die folgenden Preise pro Zentimeter Bohrtiefe:

Wandmaterial3 cm Durchmesser35 cm Durchmesser
Leichtbeton0,85 €4,00 €
Mauerwerk0,95 €4,10 €
Unbewehrter Beton1,00 €4,20 €
Bewehrter Beton1,05 €4,30 €

Ein Rechenbeispiel: Eine Bohrung mit 35 cm Durchmesser durch eine 30 cm dicke Wand aus bewehrtem Beton kostet allein an Bohrleistung rund 130 €. Dazu kommen Anfahrt, Einrichtung und Entsorgung. Bei zweischaligem Mauerwerk mit Kerndämmung muss der Fachbetrieb zusätzlich die Dämmebene sauber abdichten, damit später keine Feuchtigkeit eindringt.

Wann ist ein Statiker nötig?

Für einzelne kleine Bohrungen durch nichttragende Wände brauchen Sie in der Regel keinen Statiker. Anders sieht es bei großen Durchmessern in tragenden Wänden aus, bei mehreren dicht nebeneinanderliegenden Bohrungen oder wenn Bewehrungsstäbe durchtrennt werden müssen: Dann sollte ein Statiker die Bohrung freigeben, bevor gearbeitet wird. Wie aufwendig Eingriffe in tragende Bauteile werden können, zeigt unser Ratgeber zum Thema tragende Wand entfernen. In Mietwohnungen brauchen Sie für jede Kernbohrung zusätzlich die Zustimmung des Vermieters.

Aufbau eines Kernbohrers und Zubehör

Ein Kernbohrer funktioniert im Prinzip wie eine elektrische Bohrmaschine. Der auffälligste Unterschied ist der Bohrer selbst: Statt eines Metallstifts sitzt an der Vorderseite ein becherförmiger Bohrkopf, dessen Innendurchmesser dem des späteren Bohrkerns entspricht. An seinem vorderen Ende befindet sich die Bohrkrone, eine runde, stählerne oder diamantbesetzte Säge. Härtere Materialien wie bewehrter Beton erfordern kleinere und zahlreichere Zähne als Ziegel oder Leichtbeton.

Viele Kernbohrer haben eine Wasserkühlung, denn beim Bohren entsteht erhebliche Reibungswärme, die die Bohrkrone beschädigen kann. Das Wasser kühlt das Metall, bindet den Staub und spült ihn fort. Alternativ gibt es Geräte mit Anschluss für einen Industriestaubsauger. Eine spezielle Kupplung verhindert Verletzungen und Sachschäden, wenn sich der Bohrkopf verkantet. Für den exakten Ansatz sorgen Hilfsmittel: Eine Anbohrhilfe mit Dorn führt den Bohrer während der kritischen ersten Zentimeter, Führungsgestelle werden an Wand oder Boden befestigt und sind vor allem bei großen Durchmessern hilfreich.

Wichtige Voruntersuchungen

Vor einer Kernbohrung muss die Wand genau untersucht werden. Zum einen darf die Bohrung keine Stahlträger und keine wasser- oder stromführenden Leitungen treffen. Dazu dienen die Baupläne, bei Unsicherheiten prüfen Handwerker die Wand mit speziellen Sensoren. Zum anderen muss klar sein, aus welchen Materialien Wand und Dämmung bestehen, denn davon hängen die Wahl der Bohrkrone und der Preis ab.

Bei Passivhäusern und Niedrigenergiehäusern ist außerdem zu klären, wie stark die zusätzliche Öffnung die Energiebilanz des Gebäudes beeinflusst und ob das Haus seinen Status verlieren würde. Ein Energiegutachten liefert hier Sicherheit.

Ablauf einer Kernlochbohrung

Nach den Vorbereitungen wählt der Handwerker den passenden Bohrkopf samt Bohrkrone aus, steckt die Anbohrhilfe ein und schließt Wasserzufuhr oder Staubsauger an. Unter gleichmäßigem Druck bohrt er den Bohrkopf etwa zwei Zentimeter in die Wand, entfernt die Anbohrhilfe und führt die Bohrung fort, bis die Wand durchbohrt ist. Anschließend wird der Bohrkopf samt Bohrkern aus der Wand gezogen und der Kern entnommen.

Danach folgen die Anschlussarbeiten, etwa das Einsetzen und beidseitige Befestigen eines Rohrs und die Erneuerung der Dämmung. Je nach Durchmesser und Material dauert eine Kernbohrung zwischen 15 Minuten und einer Stunde.

Sollten Sie eine Kernlochbohrung selbst durchführen?

Davon ist aus mehreren Gründen abzuraten. Eine Bohrung ist immer ein Eingriff in die Baustatik: Nur Fachleute können sichergehen, dass keine wichtigen Bauteile oder Leitungen beschädigt werden. Führen Sie die Arbeiten selbst aus, zahlt im Schadensfall keine Versicherung, und mögliche Folgekosten übersteigen den Preis der professionellen Bohrung um ein Vielfaches.

Zudem erfordert eine Kernbohrung neben dem Spezialgerät eine ruhige Hand und Erfahrung. Das Gerät lässt sich zwar mancherorts ausleihen, doch Fehler beim Bohren sind kaum zu korrigieren. Rechnet man Leihgebühren und die längere Arbeitszeit ein, bleibt von der Ersparnis wenig übrig. Viele Maurer- und Bohrbetriebe übernehmen die Kernbohrung zudem günstig im Zuge größerer Mauerarbeiten. Erfahrene Fachbetriebe finden Sie über blauarbeit.de: Sie prüfen die Umstände vor Ort und führen die Bohrung sauber und schnell durch.

Häufig gestellte Fragen zur Kernbohrung

Was kostet eine Kernbohrung für einen Dunstabzug?

Für den Mauerkasten einer Dunstabzugshaube ist eine Bohrung mit 100 bis 125 mm Durchmesser nötig. Durch eine normale Außenwand kostet sie 150 bis 300 € inklusive Anfahrt und Entsorgung des Bohrkerns. Bei bewehrtem Beton liegt der Preis am oberen Ende.

Wie lange dauert eine Kernbohrung?

Die reine Bohrzeit liegt je nach Durchmesser und Material zwischen 15 Minuten und einer Stunde. Dazu kommen das Einrichten der Baustelle, das Anzeichnen und die Anschlussarbeiten. Mehrere Bohrungen lassen sich gut an einem einzigen Termin erledigen, was die Kosten pro Loch deutlich senkt.

Kann ich eine Kernbohrung selber machen?

Kernbohrgeräte lassen sich zwar mieten, empfehlenswert ist das aber nicht. Sie riskieren, Leitungen oder tragende Bauteile zu treffen, und im Schadensfall zahlt keine Versicherung. Rechnet man Leihgebühren, Verschleiß und Arbeitszeit zusammen, ist die verbleibende Ersparnis gegenüber dem gut ausgerüsteten Fachbetrieb am Ende gering.

Wer führt Kernbohrungen durch?

Kernbohrungen übernehmen spezialisierte Bohr- und Sägebetriebe, Maurerbetriebe und Bauunternehmen. Wird die Bohrung im Zuge anderer Arbeiten nötig, etwa beim Kücheneinbau oder der Heizungsmodernisierung, bietet oft derselbe Betrieb sie gleich mit an. Über Blauarbeit holen Sie kostenlos Angebote mehrerer Fachbetriebe aus Ihrer Region ein.

Braucht man für eine Kernbohrung einen Statiker?

Bei kleinen Bohrungen durch nichttragende Wände nicht. Bei großen Durchmessern in tragenden Wänden, bei Durchbrüchen durch Betondecken oder wenn Bewehrung durchtrennt wird, sollte ein Statiker die Bohrung vorher freigeben. In Mietwohnungen ist außerdem in jedem Fall die schriftliche Zustimmung des Vermieters erforderlich.

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Verfasst von

Mika Lehmann Redakteurin für Handwerk und Sanierung

Mika Lehmann hat Online-Redaktion an der TH Köln studiert und gehört seit 2018 zu den produktivsten Autorinnen des Blauarbeit-Ratgebers. Kaum ein Gewerk, zu dem sie noch nicht geschrieben hat: Ihre Schwerpunkte sind Handwerkskosten, Sanierung und Modernisierung, von Dach und Fassade bis Solar und Energie. Ihr Steckenpferd sind die Zahlen: Was kostet eine Handwerksleistung wirklich, und woran erkennt man ein faires Angebot?

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